Rezension

Die Totenärztin – Wiener Blut | René Anour

25. Juli 2021
Die Totenärztin Wiener Blut

Inhalt

Wien, 1908: An einem späten Abend wird ein toter Obdachloser in die Gerichtsmedizin eingeliefert, dessen Todesursache klar zu sein scheint. Doch der jungen Ärztin Fanny Goldmann fallen Ungereimtheiten auf, mit welchen sie bei ihren männlichen Kollegen jedoch auf taube Ohren stößt. Deshalb beschließt sie die Leiche mitten in der Nacht entgegen aller Vorschriften heimlich zu obduzieren. Fanny ahnt jedoch nicht, dass sie sich mit ihrer Entdeckung mitten in eine tödlichen Verschwörung rund um einen attraktiven Dieb und Kaiserin Sisis verschwundenen Diamantstern hineinmanövriert hat. Ihre Nachforschungen führen sie hinter die Kulissen des Burgtheaters, in prunkvolle Palais der Oberschicht, aber auch in zwielichtige Spelunken und Bordelle der Wiener Unterwelt, wo an jeder Ecke der Tod lauert.

Erster Satz

Fanny hatte nie eine Frau gesehen, die zufriedener aussah.

Eigene Meinung

René Anour hat mit diesem Auftakt zu einer Dilogie nach seinem grandiosen Debüt „Im Schatten des Turms“ abermals ein großartiges, lebensechtes Portrait einer schillernden Zeit geschaffen, welches das Wiener Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts mitsamt des rasanten technischen Fortschrittes sowie der bahnbrechenden Entwicklungen in der Medizin aufleben lässt.

Die Toten haben keine Stimme mehr. Sie brauchen jemanden, der für sie einsteht, der ihre Geschichte erzählt, weil sie es selbst nicht mehr können. Dieser jemand will ich sein.

Anour, René: Die Totenärztin – Wiener Blut (S. 178).

Mein Medizinerherz ist bei den detailgetreuen wie historisch fundierten Schilderungen der Obduktionen förmlich aufgegangen. Gedanklich stand ich neben Fanny am Seziertisch, habe ihr das Besteck angereicht und sie dabei beobachtet, wie sie von den Körpern der Toten deren Geschichte abzuleiten versucht, aber auch wie sie im harten Kampf um Gleichberechtigung in einer absoluten Männerdomäne an ihrer Leidenschaft für die Gerichtsmedizin festhält.

Mit typischem Wiener Schmäh, ausdrucksstarken wie gewitzten Charakteren und einem fesselnden Kriminalfall findet man sich auch abseits des Sektionssaals inmitten einer spannungsgeladenen Verfolgungsjagd vor eindrucksvoller Kulisse wieder. Die Rasanz der Handlung, die Authentizität der fiktiven wie realen Protagonisten sowie die nervenaufreibenden Verwicklungen haben mich gar derart begeistert, dass ich „Die Totenärztin – Wiener Blut“ innerhalb weniger Stunden inhaliert habe und nun sehnsüchtig auf die Fortsetzung warte.

Fazit

„Die Totenärztin – Wiener Blut“ hat alles, was ein fesselnder historischer Kriminalroman verlangt und begeistert obendrein durch so viel Spannung, Wiener Charme und authentische Einblicke in die aufstrebende Fachrichtung der Gerichtsmedizin.


DIE TOTENÄRZTIN – WIENER BLUT

Autor: René Anour
Reihe: Die Totenärztin-Reihe (Bd. 1)
Seitenzahl: 416
Erschienen: 15.06.2021
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-499-00558-9
Preis: 12,00 €


Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag sowie die Agentur Buchcontact für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Kathiduck

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2 Comments

  • Reply Steffi 28. Juli 2021 at 10:31

    Hallo Kathi,
    ich habe nach langer Zeit mal wieder total Lust auf einen historischen Roman und da kam mir deine Rezension hier sehr gelegen. Ich habe, glaube ich, noch nie einen historischen Kriminalroman gelesen und dieser klingt unheimlich spannend. Auch Wien finde ich als Handlungsort richtig toll. Vielen Dank für den Tipp!
    Ganz liebe Grüße, Steffi

    • Reply Lesendes Federvieh 29. Juli 2021 at 18:52

      Liebe Steffi,

      dann ist die Totenärztin genau das Richtige für dich! Es hat genau das richtige Maß an eingeflochtenen historischen Details ohne sich in die Länge zu ziehen und sprüht nur so vor Wiener Esprit. Ich wünsche dir ganz viel Freude mit diesem Buch, wenn es auf deinen Lesestapel wandert und bin schon sehr gespannt ob es dich genauso begeistern kann wie mich! 😀

      Allerliebste Grüße,
      Kathi

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