Rezension

Mein Mann | Rumena Bužarovska

11. Juni 2021
Mein Mann

Inhalt

Die Kurzgeschichtensammlung handelt von Männern, die mittelmäßige Dichter sind, von Machos, von Betrügern oder von eingebildeten Gynäkologen, die glauben so gut malen zu können wie Picasso. Ihre Frauen hingegen sind schmückendes Beiwerk und auf unterschiedlichste Weise unzufrieden in ihren lahm gewordenen Beziehungen.

Erster Satz

Ich habe Goran auf einem Poesiefestival kennengelernt.

Eigene Meinung

Rumena Bužarovska gibt in 11 unterhaltsamen Kurzgeschichten geniale, emotionale, witzige und nachdenkliche Einblicke in den Kampf der Geschlechter. Erzählt werden die einzelnen Stories aus der Sicht der Frau, wobei immer eine andere ihre Geschichte erzählt. Daraus ergibt sich für jede einzelne Kurzgeschichte ein anderer Ton und Rhythmus und gerade das lässt das Gelesene so herrlich lebendig und authentisch wirken.

Die Damen, die mit beiden Beinen im Leben stehen, gehen dabei sehr hart mit ihren Männern ins Gericht, sind teilweise aber auch selbstkritisch und scheuen sich auch nicht andere, modernere Frauen zu kritisieren. Auf eine gewisse Art und Weise kriegen so alle ihr Fett weg. Obwohl wir uns literarisch in Nordmazedonien befinden, könnten die Geschichten überall in Europa spielen.
Es geht also über die Beziehungen zwischen den Geschlechtern, um vielfältige Ausprägungen des Patriarchats, wobei die Männer ziemlich schlecht wegkommen, sie taten mir manchmal direkt leid; aber wirklich nur manchmal.

Alle Geschichten sind im bürgerlichen Milieu angesiedelt, so dass die Frauen mehr oder weniger gut situiert sind und dennoch gibt es auch hier ganz klare Abhängigkeiten. Es zeigt, dass noch viel zu tun ist, um das Patriarchat zu überwinden, denn keine der Frauen schafft es sich zu lösen. Vielleicht gelingt dies der nächsten Frauengeneration, wenn ihre Mütter sie unterstützen.

Die Figuren sind ehrlich und psychologisch differenziert entworfen und egal in welche Abgründe sie den Leser blicken lässt, tut die Autorin dies unglaublich gut. Zwischen den Zeilen verbergen sich so viele Emotionen, Wut, Humor aber auch eine ordentliche Portion Boshaftigkeit, die daraus entstehenden Sogwirkung lässt die Seiten verfliegen. Man glaubt ihre Charaktere zu kennen, so realistisch agieren sie in den unterschiedlichsten Situationen, die auf gewisse Weise vertraut sind. Es ist alles nachvollziehbar und bietet viel Stoff über die Rolle der Frau nachzudenken.

Dabei beschreibt die Autorin alles so herrlich klar und neutral, sie ergreift nicht Partei und gerade das finde ich so großartig. Sie überlässt es dem Leser sich vorbehaltlos auf dieses Buch einzulassen und sich seine eigenen Gedanken über das Gelesene zu machen. Jede einzelne ihrer Stories gilt es nachwirken lassen, denn es gibt in diesem Buch so viele weitere Perlen ihres literarischen Können zu entdecken.


MEIN MANN

Autorin: Rumena Bužarovska
Originaltitel: Mojom маж
Übersetzung: Benjamin Langer
Seitenzahl: 171
Erschienen: 06.03.2021
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3-518-42976-1
Preis: 22,00 €


Zwerghuhn

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1 Comment

  • Reply Livia 16. Juni 2021 at 10:02

    Liebes Zwerghuhn

    Das Buch möchte ich unbedingt auch bald einmal lesen. Kurzgeschichte und Essays passen aktuell perfekt zu meinem Alltag, da ich viel unterwegs bin und trotzdem immer mal wieder so gar keinen Kopf habe, lange an einem Buch zu bleiben.

    Ich setze es mir gleich auf meine nächste Einkaufsliste 😉
    Livia

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