Rezension

ti amo | Hanne Ørstavik

13. März 2022
ti amo

Eigene Meinung

Was geschieht, wenn ein geliebter Mensch stirbt? Wie fühlt sich das an, das schrittweise Abschiednehmen, wenn das Ende näherrückt? Welche Kraft hat die Liebe in diesen Momenten und wie verändert sich eine Beziehung?

All das, was ich niemals gleichzeitig so schmerzhaft, tröstend und warmherzig in Worte fassen könnte, hat Hanne Ørstavik mit ihrem zarten, ruhigen und doch so verzweifelt starken Büchlein „ti amo“ geschaffen, das Andreas Donat kunstvoll ins Deutsche übertragen hat.

Mit den Worten „ICH LIEBE DICH“, das synonymisch für all die ungesagten Worte, Zweifel und Ängste steht, beginnt die tiefgreifende Auseinandersetzung der autobiografischen Erzählstimme im Angesicht des baldigen Krebstodes ihres geliebten Mannes. Frei von jedweder Kitschpoesie zeichnet Hanne Ørstavik berührende Sprachbilder, die das Herz schmerzhaft zusammendrücken, um es einige Augenblicke später in eine liebevolle, tröstende Umarmung zu hüllen.

Sie beleuchtet die Auswirkungen der Liebe, die Momente des Kennenlernens, ihre schriftstellerische Inspiration, aber auch die zermürbenden Arzt- und Apothekenbesuche sowie die unterschiedlichen Herangehensweisen an das Endgültige. Sein Wunsch nach gedanklicher Zerstreuung, das Nicht-Wissen-Wollen und Verdrängung stehen dabei konträr zu ihrer klaren, reflektierten Weitsicht, dem Informationsbedarf und der Frage nach dem Wann, was in ungeahnter Intensität direkt unter die Haut geht.

Fazit

„ti amo“ liest sich wie ein nachdenkliches Tagebuch, es ist ein wortweises Abschiednehmen voller kluger Gedanken, pulsierend changierender Emotionen und doch vor allem eines: die kraftvolle Liebeserklärung an einen Sterbenden und die Liebe selbst.


TI AMO

Autorin: Hanne Ørstavik
Originaltitel: ti amo
Übersetzung: Andreas Donat
Seitenzahl: 112
Erschienen: 03.08.2021
Verlag: Karl Rauch
ISBN: 978-3-7920-0273-5
Preis: 18,00 €


Kathiduck

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