Rezension

Die Farbe Lila | Alice Walker

6. März 2022
Die Farbe Lila

Inhalt

Anfang des 20. Jahrhunderts wächst die junge Schwarze Celie in Georgia auf, wo sie mit vierzehn Jahren das erste Mal von ihrem Vater vergewaltigt wird als ihre Mutter im Sterben liegt. Zweimal wird sie von ihm geschwängert, zweimal muss sie mitansehen, wie er ihre Kinder direkt nach der Geburt weggibt. Später verkauft er sie an ihren späteren Ehemann, welcher sie körperlich wie psychisch misshandelt. Erst als ihr Mann seine Geliebte Shug Avery ins Haus holt, lernt Celie echte Zuneigung kennen, verliebt sich in die selbstbewusste Künstlerin und geht langsam ihren eigenen Weg gegen alle Widerstände.

Erster Satz

Erzähl das ja keinem außer Gott.

Eigene Meinung

Im Tod ihrer Mutter alleingelassen, vom Vater missbraucht, geschwängert und wie Vieh an den Ehemann verkauft, der sie ebenfalls demütigt und unterdrückt, wendet sich Celie in Briefen an die einzige Person, die ihr noch bleibt: Gott. Ihre Sprache ist einfach, die Gedanken ungefiltert, teils naiv, meistens erschütternd und immer unglaublich berührend, sodass man sich selbst in der mitreißenden Abgründigkeit ihres Lebens mitsamt all dem unvorstellbaren Leid wiederfindet. Gleichzeitig ist „Die Farbe Lila“ so glühend kraftvoll, ein Plädoyer für die Stärke der Weiblichkeit und den selbstverständlichen Zusammenhalt von Frauen untereinander.

Was glaubst du, wer du bist? […] Guck dich doch an. Du bist Schwarz, du bist arm, du bist hässlich, du bist eine Frau. Verdammich, sagt er, du bist gar nichts.

Alice Walker: Die Farbe Lila (S. 227)

Äußerst eindrücklich beleuchtet Alice Walker die unterschiedlichen Gefüge von Familie, Liebe und Freundschaft. Im Zuge dessen zeichnet sie einige Charaktere in leuchtenden, exotischen wie ausdrucksstarken Farben wohingegen die bodenständige und zurückhaltende Celie zunächst als blasse Skizze in Schwarz-Weiß erscheint. Jene Antithetik beginnt jedoch zunehmend zu schwinden, Celie findet in der strahlenden Shug Avery ein Vorbild, das ihr ermöglicht über die Seiten hinaus aufzublühen und ihre innere Stärke nach außen zu kehren.

Zugleich wird Celies kurvenreiche Lebensgeschichte von einem leisen Hintergrundrauschen über die Ausbeutung Schwarzer als Menschen zweiter Klasse begleitet, das stellenweise zu einem tosenden Inferno anschwillt und die Kehle vor lauter Fassungslosigkeit eng werden lässt: Die Missionarszeit und Verdrängung der indigenen Völker in Afrika kommt gleichermaßen zur Sprache wie das anhaltende Schuld- und fehlende Zugehörigkeitsgefühl ob der weitreichenden Nachwehen der jahrzehntelangen, menschenrechtsverachtenden Sklaverei.

Fazit

„Die Farbe Lila“ ist definitiv keine leichte Kost, in ihrer inhaltlichen wie sprachlichen Ausdrucksstärke aber ein glühender Appell für ein selbstbestimmtes Leben für Frauen jeglicher Herkunft, das für mich ein zeitloser Klassiker ist!


DIE FARBE LILA

Autorin: Alice Walker
Originaltitel: The Color Purple
Übersetzung: Cornelia Holfelder-von der Tann
Seitenzahl: 288
Erschienen: 23.11.2021
Verlag: Ecco
ISBN: 978-3-7530-0009-1
Preis: 20,00 €


Herzlichen Dank an den Ecco Verlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Kathiduck

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2 Comments

  • Reply Livia 23. März 2022 at 10:10

    Liebe Kathi

    Oh, wow….was für eine heftige Geschichte…. Und der Inhalt erinnert mich ein wenig an „Das Mädchen mit der lauternen Stimme“.

    Das Buch klingt aber sehr wichtig und packend erzählt. Ich danke dir sehr herzlich für die Empfehlung und die Bücher aus dem Ecco-Verlag sind so oder so immer ein Abtauchen in unangenehme Gefilde wert, wie ich finde.

    Alles Liebe an dich
    Livia

  • Reply Jana 11. April 2022 at 19:29

    Ein großartiges Buch, das mir auch sehr gefallen hat! Toll, endlich eine Besprechung auf einem anderen Blog dazu zu lesen. Ich habe Buch (https://www.wissenstagebuch.com/2019/07/18/alice-walker-die-farbe-lila-the-color-purple-interpretation-1982/) und Film besprochen (https://www.wissenstagebuch.com/2019/07/22/film-die-farbe-lila/) und würde mich freuen, wenn du deine Meinung da ließest. Beste Grüße, Jana

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