Interview

Geschnatter mit Alexandra Holenstein über Corona, ihren Schreiballtag und Barack Obama

16. September 2020
Alexandra Holenstein
© Privat

Unsere Interviews gehen in eine neue Runde! Den Auftakt macht eine sympathische Autorin, die seit knapp vier Jahrzehnten im Süden der Schweiz unweit des Lago Maggiore Zuhause ist. Die Rede ist von Alexandra Holenstein, die wir letztes Jahr im April dank einer humorvollen Nachricht via Instagram kennengelernt haben.

Der Debütroman der ehemaligen Deutschlehrerin, „Das Heinrich-Problem“, wie auch ihr neuestes Werk „Auszeit bei den Abendrots“ haben nicht nur herrlich amüsante Dialoge, lebhafte Charaktere und jede Menge Esprit und Situationskomik gemeinsam. Beziehungen und Betrug spielen stets eine große Rolle, denn gerade Letzteres findet Alexandra Holenstein sehr faszinierend, da dieser nicht selten mit Selbstbetrug einhergeht. Ein interessantes Zusammenspiel, das sie gerne mit einer Prise Humor würzt.

Wenn ich darüber schreibe, so tue ich es immer auch mit einem lachenden Auge, denn eine gute Prise Humor nimmt bekanntlich Vielem die drückende Schwere und hilft beim beherzten Sprung über die Lebenshürden.

Alexandra Holenstein

Bevor es mit den buchigen Fragen losgeht: Wie hast du die Corona-Pandemie in den letzten Monaten in deiner Heimat Schweiz erlebt?

Ich lebe mehrheitlich im Tessin, also in dem Teil der Schweiz, der direkt an Italien grenzt. Das Tessin war von daher gesehen von der Pandemie auch verhältnismäßig stark betroffen. Mein Mann und ich sind nicht mehr regulär berufstätig, weshalb wir in der glücklichen Lage waren, uns während des Lockdowns problemlos auf Haus und Garten beschränken zu können. Da das Schreiben meine liebste Beschäftigung ist, habe ich mich persönlich gar nicht eingeschränkt gefühlt. Trotzdem fand ich die Monate März, April und Mai bedrückend, denn eine Erfahrung, die nur ansatzweise mit der Corona-Zeit vergleichbar ist, habe ich in meinem Leben noch nicht gemacht.

Dein erster Roman „Das Heinrich-Problem“ war ein voller Erfolg, ist es dir damit im Hinterkopf schwerer gefallen an einem neuen Projekt zu arbeiten?

Ich hatte schon länger ein zweites Projekt in petto, weshalb es mir nicht an einer Idee gemangelt hat. Im Gegenteil. Beim zweiten Roman habe ich mich sicherer gefühlt. Wie ein Lehrling, der mit jeder Arbeit etwas dazulernt und dem dann die Arbeit leichter von der Hand geht. Schreiben ist neben Phantasie, Intuition und Sprachgewandtheit nämlich schlichtweg auch „Handwerk“, das sich erlernen lässt.

Das Heinrich-Problem

Wie lange hast du an „Auszeit bei den Abendrots“ gearbeitet? Hast du dir vorab einen genauen Plan gemacht, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln soll oder hast du deinen Charakteren freien Lauf gelassen?

Alles in allem habe ich den Abendrots mehr als ein Jahr gewidmet. Ich arbeite mit Exposé und genauem Handlungsentwurf, denn meine Lektorin soll wissen, was ich vorhabe. Allerdings kann es schon vorkommen, dass plötzliche Eingebungen im Laufe des Schreibprozesses zu neuen Entwicklungen oder zusätzlichen Handlungssträngen führen. Dafür sollte man als Autor offen sein, denn eine Geschichte ist etwas Lebendiges und soll meines Erachtens auch mal vom ursprünglich geplanten Weg abweichen dürfen.

Apropos Charaktere: Woher nimmst du die kleinen Eigenheiten von Helene, Josef und Co, die sie so unglaublich lebensecht und nah erscheinen lassen? Gibt es dafür bestimmte Vorbilder oder entspringen die feinen Details gänzlich deiner Vorstellung?

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich mag alle meine Figuren, auch die, die den Leserinnen zunächst mal – oder überhaupt – weniger zusagen. Vielleicht ist es meine Anteilnahme an ihren Schwächen, die sie letztlich wirklich lebendig werden lässt. Wir sind Menschen und deshalb auch fehlbar. Mit einem Augenzwinkern nehme ich diese Fehlbarkeiten gerne aufs Korn und überzeichne sie dann noch ein bisschen. Ich beobachte Menschen auch aufmerksam und habe auf Grund meines Alters jede Menge an Erfahrungen zur Verfügung. Das heißt aber nicht, dass mir die Geschehnisse meiner Protagonistinnen alle selbst widerfahren sind.

Auszeit bei den Abendrots

In einem Satz: Wie sieht dein normaler Arbeitstag als Autorin aus?

Da das Schreiben nicht meinem Broterwerb dient, lasse ich mir da viel Freiheit. Die liebste Arbeitszeit ist für mich aber der Nachmittag oder wenn ich weiß, dass keine anderen Verpflichtungen mehr anstehen.

Wie kann man sich deinen Schreibplatz vorstellen? Aufgeräumter Schreibtisch, Cafétrubel oder bei gutem Wetter draußen an der frischen Luft?

Am liebsten schreibe ich am Esstisch nahe der Küche oder am Holztisch auf der Terrasse. Voraussetzung ist ein geordnetes Umfeld. Unordnung inspiriert mich nicht, im Gegenteil. Mehr als meinen Laptop brauche ich nicht.

Wer darf deine Geschichten zuerst lesen? Familie, Freunde, Autorenkollegen oder anonyme Vorableser?

Mein Mann ist ein aufmerksamer und geduldiger Zuhörer während des Schreibprozesses. Da ich aber gut mit meiner Lektorin vom Fischer Verlag zusammenarbeite, kommt es auch von dieser Seite her zu Phasen des Probelesens. Meist nach Beendigung eines längeren Abschnitts.

Diese drei Bücher muss man deiner Meinung nach gelesen haben:

Für mich ist es einfacher, von Büchern zu sprechen, die auf meinem Lebensweg eine Bedeutung hatten. Da sind zum Beispiel „Demian“ von Hermann Hesse, „Animal Farm“ von George Orwell und vor gar nicht so langer Zeit „Im Schatten des Windes“ vom leider unlängst verstorbenen spanischen Autor Carlos Ruiz Zafón.

Was machst du, wenn du gerade nicht an einem neuen Buch schreibst?

Wer schreibt, sollte auch viel lesen. Das gilt auch für mich. Darüber hinaus koche und backe ich sehr gerne. Ich liebe das Wasser. Die Ufer des nicht weit von mir entfernten Lago Maggiore oder die glasklaren Flüsse in den Tessiner Tälern sind meine Lieblingsorte, nicht nur im Sommer.

Wenn du die Möglichkeit hättest eine Zeitreise zu machen, wo würdest du landen?

Gerne mal zwei, drei Tage bei den alten Römern im Haus eines Patriziers. Vielleicht im südwestdeutschen Badenweiler, dessen Badeanlagen auf die römische Besatzungszeit in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts zurückgehen.

Wenn du eine berühmte Persönlichkeit treffen dürftest: Wer wäre es und warum?

Ich würde mich gerne mit Barack Obama zu einem Plauderstündchen treffen. Er ist ein Mann, den ich sehr charismatisch finde und der mir in seiner Rolle als erster nicht-weißer Präsident der USA sehr imponiert hat.

Zum Schluss die Frage aller Fragen: Arbeitest du schon an einem neuen Buch und wenn ja, wann erscheint es?

Ja, das tue ich. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, nicht an einem Roman zu schreiben. Es gibt zudem ein Herzensprojekt, für das ich allerdings noch einen Verlag finden muss. Erscheinungstermine kann ich allerdings keine nennen.

Das war:

Alexandra Holenstein

Ihr habt noch immer nicht genug von Alexandra Holenstein? Dann schaut doch gleich mal hier auf ihrer Internetseite vorbei! Neugierig auf „Das Heinrich-Problem“ oder „Auszeit bei den Abendrots“? Dann geht’s mit Klick auf den Titel zu unserer Rezension!


Abschließend möchten wir uns natürlich nochmal ganz herzlich bei Alexandra Holenstein für die ausführliche Beantwortung unserer Fragen bedanken!

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